Ist es wahr, dass sich die Erde um die Sonne dreht? – Das Universum des Urs Lehmann
Performance von und mit Grazia Pergoletti und Renate Wünsch
Aufgeführt am 11. Juni 2026, 20 Uhr, im Kulturort Sous Soul, Spitalgasse 4, Bern
Danke an: Valerio Rodelli, Lula Pergoletti, Noa De Loin, Beni Jordi
Die Sternschnuppe
Susie spielte im Rasen. Die Eltern sassen in Liegestühlen am Pool und nippten an Ihren Drinks. Grillen zirpten in der Dämmerung. Als der Mond aufging, löschte die Poolbeleuchtung automatisch und sie sahen sich die Sterne an.
«Pappi, Pappi, ist es wahr, dass sich die Erde um die Sonne dreht, und der Mond sich um die Erde dreht, und die Sonne und alle Sterne sich um die Milchstrasse drehen?», fragte die Kleine, maienkäfermässig schmunzelnd.
«Ja, Susie,» sagte der Vater, «das ist wahr.»
Sie setzte einen Lehrerhaft strengen Schmollmund auf und meinte altklug: «Nein, das ist nicht wahr. Alles dreht sich nur um mich. Ich zeige es euch: Stimmt gar nicht, stimmt gar nicht! Alles dreht sich nur um mich», rief sie, und drehte sich lachend um ihre Achse, immer schneller, immer schneller. Die Eltern lachten mit und küssten sich.
Urs Lehmann aka biopop.
Das Kreisen und das Drehen in Urs‘ Arbeiten, sei es im Orbit, sei es auf dem Hof des Krankenhauses oder sei es um sich selbst, die Geliebte und die grossen Fragen hat mich gleich in den Bann gezogen. Ausgehend von seinen Texten habe ich eine kleine Geschichte gebaut, unsere Version seiner Geschichte vielleicht, die vorgeburtlich startet und am Ende auch wieder hinaus zu den Sternen fliegt. Einige Texte habe ich dem Heft mit den Lesungstexten entnommen, doch bin ich beim Durchforsten des umfangreichen Archivs auch auf weitere Perlen und bezaubernde Schnipsel gestossen, wie zum Beispiel den grossartigen Text «Alpzeit», der auf sehr lustige und aufrührerische Weise die Existenz des guten Hirten in Frage stellt. Zu den Texten haben wir sorgfältig Bilder und Videoausschnitte ausgewählt, die uns assoziativ passend schienen. Reni hat Musik ausgesucht und einige schöne abstrakte Situationen erfunden und aus all dem ist unsere Performance entstanden, eine Art Dokufiction in Bild, Ton und Verkörperung.
Die Beschäftigung mit dem vielfältigen Werk von Urs hat uns beiden sehr viel Freude gemacht. Seine Verrücktheit, seine hochtrabenden Ideen, sein Witz, aber auch seine Zartheit, Liebe und natürlich sein beeindruckendes Können haben uns sehr berührt. Wie schön, dass sein Werk weiterlebt; es ist in seiner Eigenwilligkeit überaus ermutigend!
Grazia Pergoletti















